Reichsregierung

Als Reichsregierung wird die staatsleitende Funktion oder ein staatsleitendes Verfassungsorgan des Deutschen Reiches von 1871 bis 1945 bezeichnet.

Nach der Verfassung von 1871 ernannte der Kaiser einen Reichskanzler. Diesem waren Staatssekretäre unterstellt, die jeweils ein Reichsamt leiteten, zum Beispiel das Reichsamt des Innern oder das Marineamt. Eine Reichsregierung als Kollegialorgan gab es nicht, stattdessen bürgerte sich der Begriff Reichsleitung ein.

Erst 1919 bekam das Deutsche Reich Minister und eine kollegiale Regierung. Zunächst hieß der Regierungschef noch Reichsministerpräsident, bis die Weimarer Verfassung wieder den traditionellen Titel Reichskanzler einführte.

Eine Reichsregierung mit einem Reichskanzler Adolf Hitler und mit Reichsministern gab es in Deutschland zwar nach 1933, doch tagte die von der NSDAP gestellte Regierung während der Diktatur in der Zeit des Nationalsozialismus immer seltener und verlor bald ganz ihre Bedeutung.

Im Jahr 1949 führte das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland den Begriff der Bundesregierung (mit Bundeskanzler und Bundesministern) ein. Eine Besonderheit blieb der Name des deutschen Außenministeriums. Es handelt sich um das ehemalige preußische Außenministerium, das 1870 zum Auswärtigen Amt des Norddeutschen Bundes wurde. Auch heute noch heißt es aus Gründen der Tradition Auswärtiges Amt.